Schule in Bayern und Berlin - Wie unterscheidet sich das Bildungssystem in Bayern und Berlin?

Bildungssysteme: Bayern vs. Berlin

Als ich aus Berlin nach Bayern zog, war der schulische Wechsel erst einmal ein riesiger Sprung für mich. Ich, ein Schüler aus Berlin, der bisher nur ein entspanntes Schulleben mit wenigen Hausaufgaben und Klausuren, für die man höchstens mal eine Dreiviertelstunde am Wochenende gelernt hatte, kannte, war ganz verblüfft, wie viel man auf einmal in Bayern lernen muss, um halbwegs gute Noten zu erzielen.                                                  

Natürlich hatte ich auch schon im Vorhinein nachgeschaut, ob die Schule in Bayern schwieriger ist als in Berlin, und festgestellt, dass sich die Bildungssysteme wohl stark unterscheiden sollen. Dennoch hatte ich die Unterschiede nicht so drastisch erwartet.

Wir sind von Berlin nach Bayern und wieder zurückgezogen, also kenne ich die meisten Verschiedenheiten zwischen der Berliner Grundschule, dem bayerischen Gymnasium und dem Berliner Gymnasium.

Wie unterscheidet sich die Schule?

In Bayern wird viel Wert auf einen strengeren Schulalltag gelegt. Dort beruht die Schule auf einem traditionellen, in Teilen auch veraltetem Bildungssystem. Neu für mich waren die sogenannten Abfragen und Extemporale. Man musste immer damit rechnen, in den unterschiedlichsten Fächern abgefragt zu werden. Eine Abfrage bestand im Kern darin, den in der letzten oder in den letzten beiden Stunden gelernten Stoff, vor seiner Klasse vorzutragen und zu erklären. Der Lehrer stellt dem Schüler unterschiedlichste Fragen und am Ende wird die Abfrage in der Wertung eines Tests benotet. Meistens wird man zwei- bis viermal im Schuljahr abgefragt; das hängt vom Fach ab, aber Abfragen finden fast in jeder Stunde statt. Das Extemporale oder einfach nur Ex (Singular: das Ex, nicht die Ex) ist ein unangekündigter Test, der ebenfalls zu jeder Zeit über die letzten beiden Stunden geschrieben werden kann. Das führt dazu, dass man den Unterrichtsstoff der letzten beiden Stunden ständig wiederholen muss, wenn man gut vorbereitet sein möchte. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, die man in andere Dinge wie in seine Hobbys investieren könnte.                                                                    

Die Schulaufgaben, pardon Klassenarbeiten, sind viel komplexer, schwieriger und länger aufgebaut, weshalb ich länger lernen musste. Ich erinnere mich noch an Wochenenden, an denen ich 8 Stunden pro Tag für meine Lateinklausur gelernt habe. Man ist sehr erschöpft und auch mehr als nur gestresst nach den Wochen andauernden Klausurenphasen.                                                                            

Dazu kommen aber auch mehr Hausaufgaben, sodass ich anfangs so gut wie gar keine Zeit mehr für meine Hobbys hatte. Das kann man an konkreten Beispielen sehen: In Bayern mussten wir alle LateinÜbersetzungen zuhause erledigen, hier in Berlin wird alles im Unterricht übersetzt. In Deutsch mussten wir einen 3-Seitigen Übungsaufsatz an einem Tag schreiben, obwohl wir am nächsten Tag eine Schulaufgabe geschrieben haben und sehr viele Hausaufgaben aufbekommen hatten.  

Ein besonders wichtiger Punkt ist jedoch das Geld. In Bayern steht den Schulen nämlich viel mehr Geld zu Verfügung als in Berlin, weil Bayern eine deutlich stärkere Wirtschaft mit vielen großen Firmen wie BMW, Audi, Siemens oder Adidas hat, die Arbeitslosigkeit deutlich niedriger ist, weshalb Bayern auch viel mehr Steuern eintreibt, und Berlin Schulden hat, Bayern hingegen seine Schulden abgebaut und sogar Rücklagen (also Ersparnisse) hat. Durch den Länderfinanzausgleich wird dem Bundesland Berlin sogar aus Bayern Geld gegeben. Im Jahr 2024 erhielt Berlin insgesamt als schwächstes Nehmerland 3,94 Mrd. €, Bayern zahlte 9,77 Mrd. € ein.                                        

Ein hochmodernes, sehr sauberes Gymnasium, perfekt ausgestattete Fachräume, höhenverstellbare Tische für die Lehrerkräfte und eine technische Ausstattung mit allem, was man brauchen könnte (Apple TVs in jedem Raum, Tonstudio, moderne Computer), lassen erahnen, dass hier mehr Geld fließt als in den oft sehr veralteten Berliner Schulen.

Die Schule unterscheidet sich aber auch in banalen Themen wie längeren Pausen, denn in Berlin ist die große Pause an unserer Schule mit 40 Minuten deutlich länger als die 20-minütige Pause in Bayern.

Ich möchte aber auch noch erwähnen, dass in Berlin der Englischunterricht etwas fortschrittlicher als in Bayern ist, was mich gewundert hat.

Meinung

Ich finde, dass es im deutschen Bildungssystem Nachholbedarf gibt. Warum sind die Systeme im Jahr 2025 immer noch so unterschiedlich? Sollte Bildung nicht bundeseinheitlich geregelt und nicht in jedem Bundesland anders sein. Wenn man mit einem Berliner Abi in Bayern studieren möchte, wird man benachteiligt, weil das Abitur in Bayern schwieriger sei. „Ist das nicht unfair gegenüber Berliner Schülern?“, habe ich mir dabei gedacht.

Aber ich finde, dass dieses viele Lernen in Bayern nicht unbedingt nur positive Folgen mit sich bringt. Zwar lernt man dadurch mehr für die Schule, vernachlässigt aber Freundschaften, Hobbys und hat weniger Zeit dem nachzugehen, was einem am meisten Spaß macht. Ich finde, dass man durch ständiges Wiederholen und Auswendiglernen des Lernstoffs nicht unbedingt schlauer wird und dass es die Schüler auch nicht individuell fördert. Zwar ist das in Berlin auch nicht so, aber indem man weniger zu tun hat, kann man seinen Stärken nachgehen und sich auf eigenen Wegen fortbilden.

Quellen: Bayerisches Staatsministerium (BMF), Berliner Senatsverwaltung für Finanzen, Tagesschau