Können Milliardäre die Welt retten?

Ein Streit über Verantwortung und Geld

 Kann ein einzelner Mensch mit Milliarden Hunger beenden, Wasser sichern und Bildung finanzieren? Billie Eilish meint ja – Elon Musk widerspricht. 

Vor kurzem sorgte der 23-Jährige Popstars auf Instagram für Aufsehen. „Fucking pathetic pussy bitch coward“ lauteten die gegen Elon Musk gerichteten scharfen Worte. Sinngemäß übersetzt bedeutet dies so viel wie „verdammter, erbärmlicher Pussy-Bitch-Feigling“. Daraufhin antwortet er auf seiner eigenen Internet-Plattform X, sie sei „nicht gerade die hellste“ (She’s not the sharpest tool in the shed). 

Der Vorwurf

Eilish hatte in ihrem Instagram-Beitrag zuvor einen Post der Aktivistengruppe „My Voice, My Choice“ geteilt. Dieser enthielt konkrete Vorschläge, wie Elon Musk mit seinem Geld Gutes tun könnte. So könne er laut der Gruppe mit 40 Milliarden US-Dollar bis 2030 den Welthunger stillen oder in den nächsten sieben Jahren für 140 Milliarden US-Dollar sicheres, sauberes Wasser für die gesamte Weltbevölkerung bereitstellen. Ihren Rechnungen nach könnte Musk jährlich 1-2 Milliarden US-Dollar zahlen, um alle 10.443 vom Aussterben bedrohten Tierarten auf den Status „gefährdet” herabzustufen. Er könne für 53,2 Milliarden US-Dollar den gesamten Gazastreifen wieder aufbauen.

Dieser Schlagabtausch ereignete einige Wochen nach der Genehmigung eines Vergütungspakets durch die Tesla-Aktionäre, das Musk rein theoretisch gesehen zum ersten Billionär der Welt machen würde. Elon Musk muss demnach jedoch erst einige Unternehmensziele erreichen, damit das Paket ausgezahlt wird. Dazu gehören eine Marktkapitalisierung von 8,5 Billionen US-Dollar bis 2035, der Verkauf von 12 Millionen Fahrzeugen pro Jahr sowie der Einsatz von je einer Million Robotaxis und humanoiden Robotern. Außerdem muss Musk mindestens siebeneinhalb Jahre Tesla-CEO bleiben.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Billie Eilish ihre Reichweite nutz, um Superreiche zu kritisieren. So forderte sie Ende Oktober bei den Inovator Awards des „Wall Street Journal“ in New York die Wohlhabenden im Saal dazu auf, ihr Geld zu spenden. In ihrer Dankesrede für ihren Preis sagte sie: „Ich liebe euch alle, aber hier sind einige Leute, die wesentlich mehr Geld haben als ich. Wenn du ein Milliardär bist, warum bist du ein Milliardär? Kein Hass, aber spendet euer Geld, Shorties!“ „Shorty“ bedeutet im Englischen umgangssprachlich so viel wie Kleiner. Auch im Publikum war Meta-Chef Mark Zuckerberg, der drittreichste Mensch auf der Welt mit einem geschätzten Vermögen von rund 257 Milliarden US-Dollar. Dieser applaudierte laut Augenzeugen nach der Rede nicht. 

Können Superreiche ihr Geld einfach so spenden? Elon Musk meint „Nein“. Doch wie sieht es wirklich aus?

Um zu verstehen, ob Milliardäre ihr Geld spenden können, muss man erst einmal wissen, wie solche ihr Geld überhaupt besitzen. Milliardäre haben ihr Vermögen meist nicht einfach als Bargeld auf einem Konto liegen. Stattdessen steckt der größte Teil ihres Reichtums in Unternehmensanteilen, also Aktien. Das bedeutet: Sie gelten als sehr reich, weil die Aktien einen hohen Wert haben – Aber dieses Geld ist nicht sofort frei verfügbar. Um es tatsächlich nutzen zu können, müssten sie Aktien verkaufen, was oft kompliziert ist und den Markt beeinflussen kann. Deshalb sind Milliardäre zwar auf dem Papier extrem wohlhabend, aber sie können nicht einfach wie normale Menschen ihr gesamtes Vermögen direkt ausgeben. Meistens müssen Milliardäre sogar Kredite bei Banken aufnehmen, um genügend Geld für den Alltag zu haben.

„Ok, also ist Eilishs Aussage jetzt komplett absurd?“, könnte man sich denken. Jein.

Milliardäre können ihr Vermögen zwar nicht von hier auf jetzt vollständig spenden, sind aber trotzdem in der Lage, im hohen Maße ihr Geld für wohltätige Zwecke einzusetzen. Bill Gates plant zum Beispiel bis 2040 99% seines Gesamtvermögens, etwa 168 Milliarden US-Dollar, über seine Stiftung zu spenden. Seit der Gründung dieser Stiftung vor über 25 Jahren gab diese bereits über 100 Milliarden US-Dollar aus. Gates verkauft regelmäßig Aktienpakete oder überträgt sie direkt an die Stiftung. Natürlich geht das, wie bereits gesagt, nur in gesonderten Tranchen. 

Billie Eilish geht ebenfalls mit gutem Beispiel voran und hat 2025 11,5 Millionen US-Dollar aus ihrer Hit Me Hard And Soft-Tour an Organisationen für Ernährungsgerechtigkeit und Klimaschutz gespendet. Ihr Vermögen wird auf ca. 25 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Spenden machen also ungefähr 46 % ihres Gesamtvermögens aus. 

Elon Musk hingegen spendet nur wenige Millionen, für Bildung, saubere Energie und Forschung zu künstlicher Intelligenz, welche jedoch deutlich weniger als 1% seines aktuellen Gesamtvermögens von geschätzten 480 Milliarden US-Dollar ausmachen.

Doch da bleibt ja noch die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Reichtum. Die einen sagen, reiche Menschen hätten sich ihr Geld erarbeitet und somit auch verdient, jeder habe die Möglichkeit, Reichtum zu erringen, und es sei ihr gutes Recht, das Geld zu behalten und nach eigenem Ermessen zu nutzen. Die anderen sagen aber, dass man sich jenseits einer Grenze – von z.B. 20 oder 50 Millionen US-Dollar – ohnehin „alles“ leisten könne: Häuser, Reisen, Luxus. Der Rest sei für das persönliche Leben überhaupt nicht notwendig, könne aber Millionen Menschen das Leben retten.  

Fazit

Vorbilder wie Bill Gates, die mit ihren Spenden schon bis jetzt Millionen Menschen, vor allem im globalen Süden, durch Impfprogramme gegen Polio, Masern und andere Krankheiten das Leben gerettet haben, zeigen dass es möglich ist, mit großen Summen systematisch etwas auf unserem Planeten in Gang zu setzen – nicht nur punktuell, sondern über Jahrzehnte hinweg. Die Forderungen der Aktivistengruppe sind also nicht absurd, im Gegenteil: Elon Musk könnte mit seinem Geld tatsächlich einiges zum Besseren verändern. 

Am Ende ist es eine Frage der Moral.

Möchte man es den Superreichen gönnen, so viel Geld zu besitzen, oder sollten sie ihr Geld für wohltätige Zwecke einsetzen?

Quellen: Instagram, X, ntv, Forbes, SZ, VermögenMagazin, Merkur